Spiegeltherapie

Spiegeltherapie als ergänzende Methode in der neurologischen Rehabilitation

Der Effekt der Spiegeltherapie als zusätzliche Therapiemethode ist derzeit vor allem in Bezug auf die Motorik und Funktion der oberen Extremität nach einem Schlaganfall nachgewiesen.

Eine zentrale Rolle spielen dabei die sogenannten Spiegelneuronen im Gehirn. Sie werden sowohl während der aktiven Übungsphase aktiviert als auch dann, wenn bestimmte Bewegungen der gesunden Extremität im Spiegel beobachtet werden.

Auch nach längerer Zeit (3–5 Jahre nach dem Akutereignis) kann die Spiegeltherapie noch sehr effektiv sein.

Therapeutische Anwendungsbereiche:

  • Apoplex
  • Neglect
  • CRPS (auch chronisch)
  • Phantomschmerzen
  • Narbenschmerzen
  • Arm- Handparesen
  • Sensibilitätsstörrungen
  • Parkinson ( Wahrnehmungsförderung, Bewegungsqualität )
  • MS (Sensibilitätsstörung)
  • Gesichtsausfälle
  • Traumatische Schädigung des Gehirns

Wie funktioniert die Spiegeltherapie?

Ein Spiegel wird vertikal vor Sie gestellt, sodass Sie nur die nicht betroffene Extremität sehen, während die betroffene Seite verdeckt bleibt. Während der Behandlung führen Sie mit beiden Extremitäten Bewegungen möglichst synchron aus und richten den Blick auf das Spiegelbild. Dadurch entsteht beim Bewegen die Illusion, dass sich die betroffene Seite genauso flüssig bewegt wie die gesunde. Je nach Bedarf unterstützt die Therapeutin die betroffene Extremität so weit, wie es nötig ist, sodass dort eine aktive, assistive oder passive Bewegung entstehen kann.

Vorteile der Spiegeltherapie

Learned-non-use (= gelernter-Nicht-Gebrauch)

Beim Learned non use erhält die Patientin oder der Patient durch das Spiegelbild wieder einen normalen visuellen Eindruck von der Bewegung. Dadurch wird der Kortex visuell nahezu fehlerfrei angeregt, sodass sich im Gehirn qualitativ gute Engramme bilden können, auch wenn der Effekt auf einer Illusion beruht. Gleichzeitig ist das Spiegelbild ein starker Reiz und kann die Motivation erhöhen, die betroffene Extremität wieder aktiver zu bewegen.

Prämotorischer Kortex

Im Bereich des prämotorischen Kortex unterstützt die Spiegeltherapie die sensomotorische Integration. Dadurch kann das Gehirn neue motorische Programme abspeichern, was das Wiedererlernen normaler Bewegungsabläufe erleichtert.

Virtuelle Realität wird real

Wenn „virtuelle Realität real wird“, bedeutet das: Das Spiegelbild wirkt wie ein Training in einer virtuellen Umgebung, in der die Patientin oder der Patient die „gesunde“ Bewegung beobachtet und direkt durch Imitation üben kann. So wird das Bild einer funktionierenden Bewegung unmittelbar nutzbar gemacht.

„Mental Imagery Training“

Beim Mental Imagery Training stellt sich die Patientin oder der Patient während des Trainings bewusst vor, wie sich der paretische Arm bewegt. Schon diese Vorstellung kann die Erregbarkeit im Kortex und im spinalen Reflexbogen erhöhen und damit die Aktivierung und Ansteuerung der betroffenen Seite zusätzlich unterstützen.

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